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Mit anderen Augen

Ändere den Standort und Du bekommst eine andere Sicht.

Dieses Gespräch mit meinem Bankberater bleibt mir in Erinnerung. Es ging um Probleme beim Online Zugang und er kontaktierte seine eigene Hotline. Mit unbefriedigendem Ergebnis, wie zu hören war: „Hat sich hier in den zwei Jahren meiner Krankheit überhaupt etwas positiv verändert?“ seufzte er, bevor er resigniert den Hörer auflegte.

Friseurmeister, das wäre ich besser auch mal geworden… !!!
„Ja, Sie sind wenigstens Friseurmeister, das wäre ich besser auch mal geworden… !!!“ äußerte er sich nach einem Blick in meine Daten. Er bemerkte meinen fragenden Blick und berichtete vom großen Wandel im Bankwesen. Wegen einer Krebserkrankung wird er gedrängt, das Unternehmen zu verlassen oder einen neuen Arbeitsvertrag im Tochterunternehmen zu unterschreiben. Dann ohne Weihnachts- und Urlaubsgeld, ohne die bisher angesammelten Ansprüche auf eine Betriebsrente. Er ist dem Unternehmen zu teuer.

„Aber es ist ja nicht nur bei uns so, auch in anderen Bankhäusern nutzt man Corona, um jetzt reinen Tisch zu machen. Die C Bank und die D Bank wollen kurzfristig 50 % der Mitarbeiter loswerden.“

Tränen in seinen Augen sprachen von Enttäuschung und Kränkung. Seine abschließenden Worte taten mir weh: „..aber ich muss durchalten, sind doch nur noch wenige Jahre, alles aufgeben? Nein!“

„Ja, da hat sich vieles gewandelt“ wende ich ein, aber seine nachfolgenden Worte lassen mich erneut aufhorchen.
Als Friseur sind Sie in der glücklichen Lage…
„Sie können Ihre Kunden wenigstens noch ehrlich beraten. Sie verschönern Ihre Kunden und tun Ihnen etwas Gutes. Wir müssen hier der alten Rentnerin, die um einen höheren Dispo bettelt, erst mal eine Lebensversicherung aufschwatzen, damit die Bank im Falle des Ablebens der Frau keinen Ausfall erleidet. Auch wenn ich hier deutlich sehe, dass für die alte Dame so etwas kaum finanzierbar ist…. Ich muss sie ausquetschen wie eine Zitrone…!"

Ähnliches habe ich vor einiger Zeit schon mal gehört, von einer Kundenberaterin einer großen Bank. „Vor der Mittagspause werden wir alle zusammengerufen, um abzugleichen, welche Versicherungen verkauft worden sind – und wehe die Zahlen stimmen nicht!!! Das ist Schikane pur!“ Auch in diesem Gespräch flossen Tränen.

Wie von fern höre ich mein Gegenüber weiterreden, wie er bekundet, dass die Arbeit so keine Freude macht, dass er am liebsten aussteigen möchte, nicht weiterweiß.
„Aber in meinem Alter?“ stellt er die abschließende Frage.

Unzufriedenheit der Mitarbeiter bedeutet verschenktes Potential

„Zwei Drittel aller Beschäftigten in Deutschland sind mit ihrem Arbeitsplatz unzufrieden“, titelt die FAZ. Jedoch geben solche Meldungen nur die Prozentsätze wieder, selten die Gründe und nie die Gefühle der Menschen.

Rund um uns herum, in Wirtschaft und Handwerk, werden vielfach deutlich höhere Löhne plus Zusatzleistungen gezahlt. Erkennbar wächst hierdurch auch die Unzufriedenheit unserer Mitarbeiter im Friseurhandwerk.

Zunehmend wird aber auch deutlich, dass dieses Geld irgendwoher kommen muss und nicht mehr problemlos zu erwirtschaften ist.

Wer nur neidisch auf Defizite schaut, übersieht leicht die Hintergründe

Inzwischen werden Menschen entsorgt, in Sub-Unternehmen ausgegliedert, einzig mit dem Ziel, den Gewinn zu toppen. Zum Zweck der Gewinnmaximierung wird gespart: an Löhnen, an Service, an Qualität und Ehrlichkeit.

Nein, ich bin wahrhaftig kein Kommunist, sondern selbst Unternehmer.
Meiner Meinung nach hat sich aber die ständige Orientierung auf Maximierung der Gewinne als kannibalistisch gegenüber den Menschen erwiesen. Nachhaltiges Denken und Handeln, Ehrlichkeit, Qualität und nicht zuletzt die Ressourcen der Menschen werden aufgefressen.

So wie es Ralf Steinhoff, Friseurunternehmer aus Reutlingen schon lange fordert: „Wir brauchen eine neue Wirtschaftsethik!“

Wir müssen begreifen, dass nicht einzig Du und ich, der Nabel der Welt sind.

Gesellschaft und wirtschaftliche Systeme funktionieren nur, wenn alle Beteiligten das Gefühl haben, etwas zu gewinnen. Auf dieser Erkenntnis begründet sich auch das „Win-Prinzip“ der Harvard Universität.

Peter Gress, ebenfalls bekannter Friseurunternehmer aus Esslingen, formulierte es kürzlich wie folgt: „Die drängenden Fragen der Zeit suchen nach Antworten. Keiner kann sie derzeit geben. Viele sprechen von der Zeit nach Corona. Ich glaube, diese Zeit wird es nicht geben. Es wird eine Zeit mit Corona sein. Wir merken gerade, dass auch der reiche Teil der Welt verletzlich ist, wahrscheinlich noch mehr als die Schwellen- und Entwicklungsländer. Wir haben viel zu verlieren, von dem wir dachten, dass es uns zusteht. Nun stellen wir fest: Nichts steht uns zu. Alles nur geliehen, weil wir in den vergangenen Jahrzehnten eben viel Glück gehabt haben. Der von uns vorausgesetzte Anspruch auf Wohlstand und Sicherheit ist der wirkliche Fake“.

Aus der Vergangenheit lernen?

Das betrifft in der Vergangenheit unseren Umgang mit Menschen in anderen Ländern und Kontinenten, die zum Wohle unseres Wachstums Kräfte lassen, aber auch Bürden auf sich nehmen mussten. Auch wenn diese „nur“ aus Giftmüll, Elektroschrott und Plastikmassen bestanden, für diese Länder ist es ein Problem.
Für die Zukunft wird es fraglich was passiert: nahezu alle, künftig verfügbaren, Vorräte an Corona Impfstoff haben sich die westlichen Industrienationen vertraglich gesichert…. !
Noch sind wir am Beginn dieses Umdenkens, welches sich auf breiter Front anbahnt.

Zurück zum Friseurhandwerk

Probleme haben wir eigentlich alle, die Großen, die Kleinen, Luxussalons und Familienbetriebe. Vieles, was in der Vergangenheit schiefgelaufen ist, war und ist uns bewusst. Handlungen und Gegenmaßnahmen sind aber unterblieben. Jetzt zur Corona Zeit verschärft sich die Lage.
Es werden recht schnell Schuldzuweisungen getroffen und Fehlerursachen gesucht. Leider mit der fatalen Erkenntnis, dass es meist die anderen sind, die zu dieser Misere beitragen. Dazu bleibt nur eines zu sagen: „alles was man tut, hat Konsequenzen – allerdings auch das, was man nicht getan (sondern unterlassen) hat!“

Traurigkeit, Wut und Aufbruchstimmung

Dieses Gespräch mit dem Bankberater hat mich sehr traurig gemacht. Einfach aus der Tatsache heraus, wie mit Menschen umgegangen wird.

Zugleich verspüre ich Zorn in mir, ganz besonders denen gegenüber, die unser Handwerk immer nur schlecht reden und nur sehen, das woanders besser verdient wird, ohne aber wirklich Ahnung zu haben, wie es dort aussieht.
Zorn auch über ständige Forderungen an Staat, Kammern, Innungen und Verbände. Insbesondere von Jenen, die sich bequem mit Halbwissen begnügen und nicht bereit sind, irgendwelche Verantwortung zu übernehmen.

Was wir jetzt brauchen, ist eine Aufbruchstimmung. Unsere Angebote, Leistungen und Möglichkeiten aber auch unser Miteinander neu zu überdenken.

Wir leben in einem Paradigmenwechsel

Sogar in einem sehr rasanten! Werte, Einstellungen, Lebensgewohnheiten und Wünsche der Menschen um uns herum ändern sich derzeit im ungeahnten Ausmaß.
Statt zu jammern und auf die Dinge zu starren, die wie nicht haben, sollten wir uns besinnen. Und zwar auf die Besonderheiten, auf die wir zu Beginn unserer Berufslaufbahn so stolz waren. Dinge, die wir geliebt und gelebt haben, eben weil sie den Friseurberuf so einzigartig machen. Warum haben wir das vergessen?
So einiges davon entspricht den Kundenwünschen von Morgen … oder sogar von Heute?
Stellt den Menschen wieder in den Mittelpunkt!

Herzlichst,

René Krombholz

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