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Man muss Menschen mögen

Als Friseur muss man Menschen mögen. Klar, immerhin sind wir Friseure... Wir arbeiten eng an und mit ihnen. Natürlich mögen wir Menschen. Aber es gibt sie…diese Tage, diese Kunden, diese ganz speziellen Menschen, wegen denen man lieber gleich alle auf den Mond wünscht.

Kennst Du das nicht auch, dass es Kunden gibt, die Dich total aufregen? Wenn Du morgens in Deine Anmeldung schaust und deren Namen liest, dann ist der ganze Tag versaut. Und dann kommt Dein Kollege und meint, dass er die total cool findet. Wie geht das denn?

In meiner Laufbahn als Trainerin für Kommunikation habe ich viele Friseure kennenlernen dürfen. Meine Beobachtungen haben ergeben, dass gerade junge Kollegen oft Probleme haben, sich auf die verschiedenen Charaktere und Menschentypen einzustellen. Aber Menschenfreund zu sein ist keine Tugend des Alters. Es hat was mit Deiner Einstellung zu den Menschen zu tun.

Du kennst sie, diese Menschen, die den Raum betreten und man hat sofort eine Verbindung zueinander. Da wird gelacht, geschnackt, gescherzt und oft gleich wortlos verstanden. Klar, diese Kunden lieben wir.

Gleich und Gleich gesellt sich nun mal gern. Wir suchen in unserem Gegenüber Dinge, die wir kennen. In Zentelsekunden schafft unser Unterbewusstsein es, den Menschen zu scannen und zu kategorisieren. Umso mehr gemeinsame Matches wir haben, umso ähnlicher wir einander sind, desto vertrauter fühlen wir uns, desto intensiver die Bindung.

Aber! Gegensätze ziehen sich auch an. Das ist jetzt kein Wiederspruch. Nein, denn an den Menschen, die uns so gar nicht ähnlich sind, können wir wachsen. Zum Wachsen muss man aber auf ungewohntes Terrain und deswegen stört uns das erstmal. Das heißt: uns stört das Verhalten des Kunden, weil wir nicht so sind, aber eigentlich so sein wollen. Oder weil diese Kunden uns etwas zeigen, wie wir selbst sind, aber gar nicht sein wollen. Klingt verwirrend?

Interessanterweise, stört gerade den unpünktlichsten Friseur die Unpünktlichkeit der Kunden und die quasseligsten Friseure beschweren sich, weil sie immer solche Quasselstrippen als Kunden haben. Wenn Dich also eine Kundin so richtig nervt, frage Dich doch mal, ob Du vielleicht von Dir genervt bist.

Genauso wurde schon immer über den Streber in der Klasse gelästert oder die beliebteste Kollegin hinter dem Rücken schlecht gemacht. Du natürlich nicht, weiß ich. Aber Du kennst genug Leute, die das machen. Warum? Weil sie eigentlich auch so sein wollen, aber dafür endlich lernen oder an ihrer eigenen Empathie arbeiten müssten. Das ist anstrengend und unbequem und damit doof.

Es ist viel leichter andere schlecht zu machen, als an sich selbst zu arbeiten. Genauso gehts Dir aber auch mit Kunden. Sie zeigen Dir ganz oft Seiten, die Du gerne hättest und gerade nicht erreichst. Und das juckt Dich nun mal.

Fassen wir mal zusammen: Wir haben also Kunden, die:

wir mögen,

uns unsere komischen Seiten aufzeigen und

uns zeigen, wie wir sein wollen.

Ich ergänze nun noch:

Kunden, die uns brauchen und

Kunden, für die wir bereit sind.

Kunden brauchen uns nämlich oft, um etwas zu erlangen, was sie selbst nicht haben. Strenge Businessfrauen benötigen manchmal die softe Lebenskünstlerin als Friseurin, damit sie die Weiblichkeit bekommt, die sie selbst nicht alleine findet. Natürlich leben diese beiden Frauen in verschieden Welten. Dennoch können beide voneinander profitieren. Denn anders herum, zeigt einem vielleicht genau diese Kundin etwas auf, was einem im Leben noch fehlt.

Und ganz zum Schluss ist da noch die Kundin, für die wir bereit sein müssen. Dir fällt bestimmt sofort ein Name einer Kundin ein, die jeder im Salon kennt und niemand betreuen mag. So ein Energie-Vampir, dem man nichts recht machen kann, immer Sonderwünsche hat, besondere Ansprüche hat oder spezielle Behandlungen fordert. Und dann gibt es da diese eine Kollegin oder diesen einen Kollegen, die oder der sich opfert und sich dieser Herausforderung stellt. Diese Heldin oder dieser Held des Salons hat einfach nur die Geduld und Toleranz, es zu ertragen. Beides Eigenschaften die man lernen kann.

Alle diese fünf Kunden haben aber etwas gemeinsam. Sie können nichts dafür, dass sie diese Art Kunde sind. Und sie haben es nicht verdient, von uns unterschiedlich behandelt zu werden. Deine Kunden haben nämlich Zeit zu beobachten und werden sehr wohl mitbekommen, wenn sie weniger enthusiastisch behandelt werden als andere Kunden von Dir. Und noch etwas haben diese Kunden gemein. Sie bringen uns viel über uns selbst bei. Damit ist jeder Kunde also GUT für Dich!

Du bist, was du denkst. Deine Gedanken werden immer Dein Tun leiten. Und selbst, wenn Du noch so nett bist, wird man Dir Deine schlechten Gedanken anmerken. Diese Kunden, die wir also weniger gut behandeln als unsere Lieblingskunden, werden uns also wieder verlassen. Wenn Du meinst, dass das nicht so schlimm ist, frage Dich mal, ob Du nur von den Kunden leben kannst, die genauso sind wie Du?! Und wie langweilig wäre das Leben als Friseur ohne Herausforderungen?!

Für eine gute Kundenbindung ist es also ganz wichtig, seine eigene Einstellung zu jedem einzelnen Kunden zu überdenken. Sei einfach kein Kritiker des Menschen, sondern ein Menschenfreund. Sei neugierig, was Dir diese Kundin oder dieser Kunde noch lehren kann.

Abschließend ein Tipp von mir, der mich in meinem Erfolg im Umgang mit Menschen immens verändert hat. Ich suche in jedem Menschen seinen inneren Diamanten. Bei manchen findet man den sofort. Bei manchen Menschen sucht man eben etwas länger. In dem Wissen, dass jeder einen Diamanten hat, lohnt sich die Suche. Hat man ihn gefunden, hat man die Verbindung zueinander gefunden.

In diesem Sinne, wünsche ich Dir ganz viel Freude beim Suchen und Wachsen.

Von Herzen

Deine Stefanie Ehrich

Stefanie Ehrich ist Unternehmerin des Jahres 2019 (Stefanie Ehrich Friseure) und Academy Trainerin für das Seminar Beratung & Kommunikation II. In ihrem Podcast MeerSicht – gemeinsam mit Businesspartner André Leddermann – inspiriert sie die Beautybranche mit Themen rund um das Friseurhandwerk.

Das nächste Seminar zum Thema "Menschen verstehen" gibts am 25./26.4. beim Beratung & Kommunikation II Seminar oder am 18./19.4. beim Talentfinder

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