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Hilfe, die Azubis kommen!

September, wie jedes Jahr, ist dies der Monat, mit dem tausende junge Menschen einen neuen Lebensabschnitt beginnen. Denn es ist Ausbildungsstart in Deutschland. Für viele Betriebe beginnt nun die Zeit der Hoffnung, des Bangens und einem ordentlichen Batzen Arbeit.

Hoffnung, weil wir alle dringend Nachwuchs benötigen. Jeder Ausbildungsvertrag ist damit eine Chance. Aber weil es eben nur eine Chance ist, beginnt auch das Bangen. Ca. 50% aller Ausbildungsverträge werden leider vor Beendigung der Ausbildung beendet. Eine traurige und bedrückende Zahl.

Ich bilde seit eh und je aus. Eine Ausbildung zu beenden stand zu meiner Ausbildungszeit und auch lange danach, nie wirklich zur Debatte. Heute haben wir in den Innungen stellenweise schon ein Anti-Hopping-Komitee. Die Zeiten haben sich eben geändert. Irgendwann hatte auch ich meine erste Auszubildende, die die Ausbildung bei mir vorzeitig beendet hat. Dann kam die Zweite, die Dritte und dann große Selbstzweifel. Auf der Suche nach dem Warum, fand ich eine riesige Erkenntnis. Ich bin älter geworden. Ich gehöre mittlerweile zu einer anderen Generation. Zwischen uns liegen unterschiedliche Werte, Arbeits- und Lebenseinstellungen. Die Erkenntnis war schmerzhaft und heilsam zugleich. Denn ich musste nur noch meinen Frieden damit finden und damit neue Strategien, um die Generation Z ausbilden zu können. Denn genau diese Generation schwemmt gerade auf den Markt und sorgt für so einigen Trubel.

Sie sind die Kinder von den ersten richtigen Helikoptereltern. Sie wurden gefahren, betüttelt, aus jeder Situation gerettet. Konflikte hat Mama gelöst. Die schlechten Zensuren in der Schule lagen ausschließlich am Lehrer und zu Not hat man die bessere Benotung eingefordert. Dass Lehrer nichts zu sagen haben, hat Papa ihnen schnell beigebracht. Und Mama hat geschaut, dass das Nachmittagsprogramm durchgeplant ist und eingehalten wird. Im Grunde, hatte die Gen Z in der Schulzeit nichts auszustehen. Wenn da nicht die große Frage wäre, nach der Berufswahl. Mama sagt ja immer, dass man sich etwas aussuchen soll, was einen glücklich macht. Papa betont ja auch immer, dass sie alles machen können, was sie wollen.

Das ist jetzt ziemlich doll runter gebrochen, veranschaulicht aber sehr stark, warum es so schwer ist für diese jungen Menschen, etwas durchzuziehen.

Ich vergleiche das Ausbildungsangebot gerne mit einem Supermarkt. Umso größer der Markt, desto unsicherer werden wir bei der richtigen Auswahl unserer Lebensmittel. Wenn man Ketchup braucht, kann es sehr lähmend sein, wenn man sich zwischen 50 verschiedenen Varianten entscheiden soll. Was ist denn nun das Richtige? Alles machen zu können, lässt immer den Beigeschmack übrig, dass man sich eventuell für das Falsche entschieden haben könnte. Was, wenn die andere Ausbildung oder der andere Ausbildungsbetrieb besser ist? Was ist, wenn einen etwas Anderes glücklicher machen könnte?

Spätestens, wenn die ersten Konflikte mit dem Ausbilder da sind, kommen auch die ersten Zweifel auf. Da sie nicht gelernt haben, Konflikte zu lösen, igeln sie sich gerne ein und schieben Frust.

Auf einmal müssen sie tatsächlich eigenverantwortlich arbeiten. Niemand räumt hinter ihnen auf. Es bleibt kaum noch Zeit für Familie und Freunde. Und zu guter Letzt macht man nur „doofe“ Aufgaben. Am liebsten wollen sie schon in der ersten Woche Haare schneiden. Stattdessen lernt man Haare waschen. Sehr ungleich verteilt in ihren Augen. Als Ausbilder mag man jetzt den Kopf schütteln. Als Auszubildender fühlt man sich jetzt veralbert. Stimmt’s?

Tatsächlich würde Verständnis helfen. Nur weil sie anders sind, sind sie nicht schlecht. Sie brauchen nur anders Hilfe. Unsere Lehrlinge sind schlechter organisiert? Dann bekommen sie eine Plan mit Aufgaben und klar definierten Ausbildungszielen. Unsere Lehrlinge fühlen sich nicht verantwortlich? Dann sollten wir es nicht mehr von Ihnen erwarten, sondern erziehen. Unsere Auszubilden sind unsicher ob sie das Richtige tun? Dann sollten wir sie ständig bestätigen und loben. Unsere Lehrlinge sind ausgepowert und überlastet? Dann sollten wir verschiedene Möglichkeiten zur Arbeitszeitgestaltung anbieten. Ich bin zudem absolut dagegen, ihnen alles durchgehen zu lassen. Nur weil wir wenig Nachwuchs generieren, heißt es ja nicht, dass sie selbst entscheiden wie sie ausgebildet werden sollten.

Wir haben mittlerweile ein ausgeklügeltes Ausbildungskonzept erstellt. Unsere Lehrlinge haben regelmäßig Besprechungen, in denen wir gemeinsam die nächsten Ausbildungsziele definieren, planen und überprüfen. Wir haben verschiedene Ausbildungsangebote, die für das kommende Jahr voll durchgeplant sind. Struktur und sichtbare Lernerfolge, Anerkennung und Achtung ihrer Freizeit gegenüber ist der neuen Generation Z sehr wichtig. Ist man respektvoll, kann man auch streng sein. Mein Tipp: Liebevoll geführt, aber an der kürzeren Leine.

Am wichtigsten finde ich jedoch, dass keine Seite vorverurteilt. Auch wir Ausbilder waren mal die unmöglichen Kinder und Auszubildenden, die alles besser wussten, nie hören konnten und so ganz andere Entscheidungen gefällt haben, als sich unsere Eltern und Ausbilder gewünscht haben. Auch aus uns ist was Tolles geworden. Wir sollten vertrauen und offen, liebevoll und konsequent sein. Dann ist die Chance größer, dass aus dem Hoffen, Bangen und der harten Arbeit, ein/e neue/r grandiose/r Friseur dabei rauskommt.

Ich wünsche allen Ausbildungsbetrieben ganz viel Spaß und Elan beim Start mit und für ihre Welpen im Friseurhandwerk.

Eure Stefanie Ehrich

Mehr Gedanken und Informationen bekommt ihr auf meinem neuen Podcast mit meinem Gesprächspartner André: Meersicht-das Leben zwischen Kamm und Schere.

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