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Klaus Schaefer im Interview

Nach 35 Jahren erfolgreicher Tätigkeit wollte der Gründer und Inhaber der größten Unternehmensberatung für das Friseurhandwerk im deutschsprachigen Raum, Klaus Schaefer, sein letztes Chefseminar geben.

Vom 22. bis 24. März 2020 sollte es stattfinden, stattdessen kam Covid-19 und dieses Seminar fand natürlich nicht statt. Deshalb zuerst die Frage an Klaus Schaefer: Wird das irgendwann nachgeholt?

Ja, das Seminar wird nun vom 06. - 08. September 2020 im Meiser Design Hotel in Dinkelsbühl stattfinden.

Klaus Schaefer ist seit jeher als Querdenker bekannt und hat mit vielen seiner Thesen Recht behalten. Vieles, was in unserem Beruf, aber auch in unserem Staat geschah, reklamierte er als zu kurzfristig gedacht, zu wenig nachhaltig oder auch kontraproduktiv. Viele seiner Gedanken habe ich persönlich aufgenommen, wertschätzen gelernt, gerade deshalb möchte ich hier und heute ein paar Fragen an Klaus Schaefer stellen.

Heute veröffentlicht das Statistische Bundesamt Zahlen für das Friseurhandwerk. Ein Punkt sticht krass hervor: Während in anderen Branchen jeder Mitarbeiter pro Jahr einen Umsatz von durchschnittlich 126.000 € erzielt, sind es im Friseurhandwerk nur 28.000 €.

Wie betrachten Sie als Betriebswirt und Unternehmensberater diese Zahlen? Zeigt sich hier eine unzureichende Leistung der Mitarbeiter oder versteckt sich dahinter ein hoher Schwarzgeldanteil?

Diese Zahlen sind eindeutig katastrophal unzureichende Leistungen der Beschäftigten im Friseurhandwerk. Der Schwarzgeldanteil schlägt sich hier nur marginal nieder. Auslastungsberechnungen belegen, dass ein Jahresumsatz von knapp 100 TSD Euro etwa einer Auslastung von 40 % entspricht, bei einem durchschnittlichen Preis von 45,- Euro für Waschen / Schneiden / Föhnen. Friseure und Friseurinnen mit einem Jahresumsatz von 28.000,- Euro sind somit tatsächlich in ihrer Gesamtheit als „Teilzeitkräfte“ zu sehen.

Nach unserer Erfahrung aus bald vier Jahrzehnten in dieser Branche dominiert im Friseurhandwerk eindeutig der künstlerische Anteil bei weitem, während der unternehmerische Aspekt verkümmert. Dies liegt jedoch nicht nur an den Leistungen der Mitarbeiter, sondern insbesondere am Leistungsanspruch der Chefs. Denn uns ist eine Reihe von Mitarbeitern bekannt, die beweisbar einen Jahresumsatz von 150 TSD Euro und mehr generieren, ohne monatlich ihren Kardiologen aufgrund von Überarbeitung aufsuchen zu müssen.

Herr Schaefer, was sagt es über eine Branche, die mittels Onlinepetition innerhalb weniger Tage 114.000 Stimmen zur Schließung der Salon sammelt, innerhalb der dreifachen Zeit aber nicht einmal 7.000 Befürworter für eine Reduzierung der Umsatzsteuer im Friseurhandwerk findet?

Salonschließung hin oder her. Hier geht es in erster Linie um Prävention und was jeder Einzelne dafür tut. Eine Reduzierung der Umsatzsteuer steht für mich derzeit nicht vorrangig zur Debatte. Primär gilt es eindeutig eine Wertigkeit zu schaffen. D.h. auch, dass die gesamte Branche die Eigen-Vermarktung in Sachen des Berufsbildes bzw. des von den Konsumenten gekauften Produktes „Friseur“ deutlich verbessern muss. Und solange in Salons Waschen / Schneiden / Föhnen noch immer 35,- Euro kostet, sollte man erst einmal an dieser Stelle arbeiten, statt an der Senkung der Umsatzsteuer.

Zurück zu Corona. Herr Schaefer, holt uns hier unser Konsumverhalten ein? Alles immer billiger, produziert mit Niedriglöhnen oder Steuervermeidung, die das Allgemeinwohl, damit auch Gesundheitssystem schrumpfen lassen; zu Lasten auch der Forschung! Plötzlich merken wir, da ist ein Virus, das nicht beherrschbar ist - genau vor diesem Szenario wurde ja seit Jahren gewarnt, heute registrieren wir, was uns alles nicht zur Verfügung steht oder kaputtgespart wurde.

Meine persönliche Meinung: Billiger kann jeder werden. Aber ob billig auch zugleich günstig ist, ist damit nicht beantwortet. Günstig hat immer damit zu tun, welche Qualität zu welchen Kosten zu haben ist. Die grundsätzliche Frage, die sich jeder Unternehmer und Konsument stellen sollte, ist: „Bringt es mir mehr, als es mich kostet?“. Wenn ich diese Frage positiv beantworten kann, stellt sich das Thema „billig“ oder „günstig“ erst gar nicht.

Das Interessante bezüglich Corona ist für mich die unterschiedliche Herangehensweise bezüglich der Leistung des Gesundheitswesens. In Fernost wurde der Arzt traditionell bezahlt, solange man gesund war, im Westen jedoch erst, wenn man krank ist. Das präventive Denken ist aus meiner Sicht in fernöstlichen Bereichen wesentlich intelligenter als in der westlichen Hemisphäre (inkl. Europa). Rein rationell betrachtet, muss jeder Arzt im Westen Interesse daran haben, dass er kranke Patienten hat. Wie jeder Friseur Kunden, wie jeder Rechtsanwalt Mandanten – das ist sein Geschäft. Davon lebt er. Mir persönlich ist es wesentlich lieber für meine Gesundheit zu bezahlen, als für deren Reparatur.

D. h., ich brauche auch Gelder für die Forschung, um Eventualitäten vorzubeugen, Planszenarien zu schaffen und Antworten auf diese zu haben. Nicht zu hoffen, dass eh nichts passiert und wenn es doch passiert, wir dann ratlos dastehen. Viel schlechter stehen momentan in diesem Bereich Länder wie z. B. Brasilien, Amerika und der gesamte Kontinent Afrika da. Auch in Deutschland hätte in der letzten Dekade – seit die jüngsten Pandemie-Pläne der Wissenschaftler vorlagen - wesentlich mehr in Prävention, Bevorratung, Forschung, etc. investiert werden müssen. Daneben „krankt“ das Gesundheitssystem in unserem Land auch am Einfluss der Pharma-Lobbyisten und an den enormen Verwaltungskosten im System an sich. Dennoch können wir uns im Vergleich in Deutschland noch glücklich schätzen.

Meiner Meinung nach kann es auch nicht sein, dass die Qualität von Krankenkassen und der Bundesagentur für Arbeit an ihren Rücklagen gemessen wird. Die Finanzreserven der Krankenkassen beliefen sich Ende 2019 auf rund 19,8 Mrd. Euro[1]; die der Bundesagentur für Arbeit auf rund 25,8 Mrd. Euro[2].

Sehen Sie die Maßnahmen zur Corona Bekämpfung in unserem Land, insbesondere den Lockdown, als richtig an? Wie bewerten Sie diese Soforthilfe, von welcher insbesondere auch Soloselbstständige deutlich profitiert haben?

Den Lockdown sehe ich als richtig an. Wobei ich nicht beurteilen kann, ob das Virus gefährlich ist oder nicht; wie ansteckend es ist oder nicht. Da bin ich leider ebenso wie alle anderen auf Informationen von Presse / Funk & Fernsehen angewiesen und weiß nicht, wem oder was ich glauben soll. Hier fehlt mir einfach das fachliche Wissen.

Bezüglich der Soforthilfen, inklusive der Darlehen durch die KfW etc., denke ich, dass hier nach dem Gießkannenprinzip gearbeitet wird. Allerdings ist man hinterher immer schlauer. Ich selbst bin kein Freund unserer gegenwärtigen Politik, bin jedoch auch der Meinung, dass in der Corona-Krise durch die Politik ein hervorragender Job gemacht wurde.

Herr Schaefer, herzlichen Dank für die Beantwortung dieser Fragen. Ein Wort noch an den Visionär in Ihnen: Ihr Sohn Bastian hat ja bereits die Geschäftsführung einer Ihrer Tochterfirmen übernommen. Wie sehen Sie die nächsten 3-5 Jahre im Friseurhandwerk, was wünschen Sie ihm und dieser Branche für die nächsten Jahre?

Die Branche wird sich in den nächsten drei bis fünf Jahren nicht viel verändern. Was ich mir jedoch wünschen würde, wäre eine Veränderung auf Basis des Prinzips „Masse ist nicht gleich Klasse“. Der Leistungsanspruch gegenüber den Mitarbeitern ist neu zu definieren und daraus resultierend sind andere Löhne zu bezahlen. Nämlich Löhne, die sich inklusive Trinkgeld bei monatlich 2.500,- Euro brutto (Stand 2020) bewegen sollten. Diese Löhne können jedoch nur bezahlt werden, wenn die Leistung in den einzelnen Salons gegeben ist und die Prämisse „Leistung ist Arbeit pro Zeiteinheit“ vom Friseurhandwerk verstanden wird. Für Konsumenten ist es nämlich nicht wichtig, ob der Haarschnitt 50,- Euro, 60,- Euro oder 70,- Euro kostet, sondern ob sie das Vertrauen in die menschliche, beraterische und fachliche Leistung des Friseurs haben.

[1] https://www.bundesgesundheitsministerium.de/finanzergebnisse-gkv-2019.html

2 https://www.arbeitsagentur.de/datei/ba146386.pdf

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