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Troubleshooter oder Führungskraft

Unternehmer sollen Verantwortung übernehmen. Das ist klar. Aber welches Folgeverhalten kann dadurch entstehen? Viele haben durch diese Anforderung die Neigung, sich für fast alles verantwortlich zu fühlen.

Kommt ein/e Mitarbeiter/in in seiner/ihrer Lösungssuche nicht weiter, steht die Führungskraft parat und bietet meist die optimale Lösung. Gibt es Konflikte im Team, rutscht der Chef schnell in die Rolle des Moderators, um wieder für eine gute Atmosphäre zu sorgen. Gibt es eine Aufgabe für die andere keine Zeit haben, springt die Führungskraft natürlich ein. Selbstverständlich steht die Führungskraft auch parat, wenn der Mitarbeiter private Probleme hat und sich Aufgaben stellen, die gelöst werden müssen.

Viele Friseur-Unternehmer werden sich in dieser Beschreibung sicher sehr gut wiederfinden. Ich kenne dies auch aus eigenen Erfahrungen. Gerade wenn wir neue Assistenten ausbilden, hatten einige ihrer Ausbilder oft Probleme, sie „flügge“ werden zu lassen und haben ihre Arbeiten noch einmal und noch einmal korrekturgelesen, damit beim Teamchef auch ganz sicher keine Fehler ankommen.

Allerdings sollte man eines dabei nicht unterschätzen. Der neue Mitarbeiter gewöhnt sich daran, „hinter sich“ einen „doppelten Boden“ zu haben, der ihm Fehler korrigiert, Aufgaben abnimmt und damit auch die Verantwortung für ihn übernimmt. Wie soll er dann selbst lernen, Verantwortung zu übernehmen und in etwas anspruchsvolleren Aufgaben Lösungen selbst zu finden? Höre dann aber von den Ausbildern, er könne noch keinen „Freischein“ geben, da der neue Mitarbeiter immer noch zahlreiche Fehler macht. Aber macht er die vielleicht nur, weil er sich auf den Ausbilder verlassen kann? Und tappen wir dann nicht irgendwann in die Falle, die Verantwortung immer nur bei wenigen Führungskräften zu lassen?

So gibt es also viele Führungskräfte, die alle Probleme im Unternehmen zu ihrem Problem machen und ständig Troubleshooter sind, anstatt ihr Team und ihr Unternehmen strategisch zu führen. Zudem machen diese Führungskräfte als Heilsbringer immer deren Mitarbeiter kleiner als diese sind. Die Leader sind die Retter und die Mitarbeiter sind die Geretteten. Diese müssen und wollen aber eigentlich nicht gerettet werden. Sie sollen als selbstständige Mitarbeiter eigene Lösungen entwickeln und Verantwortung übernehmen.

Wenn die Führungskraft immer selbst die Lösungen sucht, dann ist sie keine Führungskraft, sondern ein Chef, der keine Verantwortung und Vertrauen abgeben möchte. Dies geht auch oft mit dem Problem des Perfektionisten einher, der über alles noch einmal sein prüfendes Auge werfen will und damit dem Mitarbeiter das Gefühl gibt, es nie richtig zu machen. Es gibt viele Studien, die belegen, dass das Gefühl sich einbringen zu können, die Jobzufriedenheit deutlich erhöht. Empfundener Stress hat nur selten mit Arbeitsüberlastung, sondern viel häufiger mit dem Gefühl der Ohnmacht und Machtlosigkeit zu tun. So können sie nicht gestalten, sondern dürfen nur dies umsetzen, was andere ihnen auftragen, was sie aber selbst vielleicht gar nicht für sinnvoll erachten. Wenn diese Mitarbeiter dann vielleicht auch noch im Beisein der Kunden „korrigiert“ werden, ist es um die Eigenmotivation der Mitarbeiter schnell geschehen.

Also: Nimm Dich aus der Verantwortung und aus dem Tagesgeschäft der Lösungssuche raus und entwickle Dein Team. Nimm Dir Zeit, Dein Team zu coachen. Führe viele Gespräche, in dem Du aber die Gespräche mit Deinen Fragen leitest und nicht Lösungen bietest. Kommen also Mitarbeiter mit einer Aufgabenstellung, dann denke nicht über Lösungen nach, sondern stellen Fragen, die den Mitarbeiter selbst veranlassen, den richtigen Lösungsweg einzuschlagen: „Was hast Du schon getan, um auf die Lösung zu kommen?“, Was würdest Du tun, wenn Du die Verantwortung hättest?“, „Was sind Deine Lösungsansätze und Gedanken?“, „Hast Du Dich schon mit anderen ausgetauscht?“, „Hast Du schon ausreichend recherchiert?“, „Wie könnte die ideale Lösung aussehen?“

Führe Deine Mitarbeiter mit Deiner Erfahrung, aber lass die Verantwortung bei ihnen und schenke ihnen damit das Vertrauen, einen guten Lösungsweg zu finden. Dann hat der Mitarbeiter ein ganz anderes Erfolgserlebnis und Du hast immer mehr Entlastung im Alltag, bis dass Du schon bald in einigen Bereichen nicht mehr gefragt und gefordert wirst. Du machst Dich unabhängig und schaffst so mehr Freiraum für Deine eigentlichen Aufgaben als Führungskraft.

Und freue Dich ehrlich mit und über die Erfolge Deiner Mitarbeiter! Je stärker Dein Team wird, desto stärker ist Dein Unternehmen und desto mehr bist Du Deiner Verantwortung als Führungskraft gerecht geworden. Ansonsten hast Du auf Dauer kein Führungsteam, sondern bist ein Perfektionist, der alles selbst machen will und dafür nur ein paar ausführende Assistenten benötigt, deren Eigenmotivation aber immer wieder sehr schnell in den Keller rutschen wird.

Herzlichst,

Dein Harald Müller

P.S. Ich lade Dich herzlich zu meinem nächsten Führungsseminar ein. Alle Infos dazu gibt es hier

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